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David Lama und der Cerro Torre

David Lama erzählte mir am 28. Oktober über seine Winterexpedition auf den Cerro Torre. Der vom Ötztal Tourismus unterstützte Weltcupkletterer macht sich am 18. November auf und davon zu den patagonischen Gletschern. In knapp 100 Tagen versucht er mit seinem Partner Daniel Steuerer die Kompressor-Route im Freikletterstil zu durchsteigen.

David und Daniel starten am 18. November um 6.00 Uhr vom Salzburger Flughafen aus nach El Calafate, um dort am 19. November gegen 18.00 Uhr anzukommen. Am 28. Oktober stand mir David noch Rede und Antwort. Hier die besten Ausschnitte.

G: Was ist das Reizvolle am Cerro Torre?

D: Früher war für die Alpinisten der Gipfelsieg das große Ziel. Wie man diesen jedoch erreichte stand eher im Hintergrund – so wurden zur Fortbewegung auch technische Hilfsmittel, wie Hacken, Trittleitern usw. verwendet. Am Cerro Torre wurde sogar mit Hilfe eines Kompressors eine ganze Bohrhackenpiste eingerichtet um erst eine Besteigung zu ermöglichen. Heutzutage legen Alpinisten immer mehr Wert darauf wie man den Gipfel erreicht. Daniel und ich haben uns eine freie Begehung des Cerro Torre zum Ziel gesetzt. Das bedeutet, dass wir uns ausschließlich an natürlichen Strukturen, wie Eis und Fels fortbewegen werden – Hacken dienen dabei rein als Sicherungsmöglichkeit. Einige haben eine solche Begehung an diesem imposanten Berg bereits versucht. Eine durchgehende Begehung ist jedoch bis heute nicht gelungen. Das ist wohl Reiz genug, immerhin gilt der Cerro Torre unter vielen Alpinisten als der schwierigste Berg der Welt.

G: Das klingt gefährlich. Hast du Angst?

D: Es wird immer wieder kritische und gefährliche Situationen geben. Speziell der Eisschlag im Gipfelbereich ist nicht zu unterschätzen. Die Kunst ist es aber diese Gefahren möglichst weit zu minimieren. Was mich wesentlich mehr beschäftigt ist die Dauer der Expedition. Ich werde 3 Monate durchgehend mit ein und der selben Person auf engsten Raum leben. Daniel ist zwar einer meiner besten Freunde, aber Spannungen sind hier trotzdem vorprogrammiert.

 G: Was ist das Schwierige am Cerro Torre?

D: Insgesamt klettern wir 900 Höhenmeter. Die letzten Seillängen sind sicher die schwierigsten. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Felskletterei im 9ten oder sogar im unteren 10ten Schwierigkeitsgrad, aber so genau kann ich das noch nicht sagen. Als Höhepunkt wartet dann der 70 Meter hoher Gipfeleispilz.  Abgesehen davon ist aber das Wetter das Hauptproblem. Patagonien ist als sturmumtostes Gebiet bekannt und in den 100 Tagen, die wir dort verbringen rechnen wir mit nur sehr wenigen Schönwettertagen. Laut Erfahrungen einiger meiner Bersteigerkollegen, können wir uns mit 15 Schönwettertagen schon glücklich schätzen.

  David Lama beim Klettern im Ötztal - (c) Heiko Wilhelm
 David Lama am Felsen im Ötztal – (C) Heiko Wilhelm

G: Am Felsen bist du ja Experte – aber im Eis?

D: Das ist einer der Gründe, warum Daniel für mich der richtige Partner ist – er ist im Eis wesentlich erfahrener als ich und er hat auch andere Eigenschaften, die die meinen perfekt ergänzen

G: Stört es Daniel, dass du im Mittelpunkt dieser Expedition stehst?

D: Nein - bei den Expeditionen braucht es immer einen Entscheidungsträger, aber wir sprechen uns natürlich schon ab. Daniel klettert ja schließlich auch schon gleich lange wie ich und war früher auch im Wettkampf erfolgreich.

G: Welche Rolle spielt das Wetter?

D: Wie zuvor schon erwähnt spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Vor allem der Wind setzt einem ordentlich zu und zur freien Begehung brauchen wir mindestens 2 schöne Tage hintereinander. Am ersten muss das ganze Eis von der Wand abschmelzen, so dass wir am zweiten möglichst schnell vorwärts kommen.

G: Wer dokumentiert das Ganze?

D: Um so ein Projekt zu dokumentieren bedarf es einer umfangreichen logistischen Planung. Wir haben ein erfahrenes Team, das zusätzlich von 2 Bergführern unterstützt wird, so dass Daniel und ich komplett unabhängig von ihnen unser Ziel verfolgen können. Vielleicht wird es sogar Aufnahmen aus einem Helikopter geben. 100% sicher ist das aber noch nicht.

G: Könnte dir der Helikopter dann nicht dein ganzes Klettermaterial zum Einstieg transportieren?

D: Theoretisch schon, aber das geht genau gegen Daniels und meine Einstellung. Wir werden jeden unserer 250kg an Material selbst hinein und wieder hinaus tragen. Grundsätzlich wollen sowohl wir, als auch das Doku-Team so wenig Spuren wie möglich in dieser einzigartigen Landschaft hinterlassen.

G: Könnte dir der Helikopter dann nicht dein ganzes Klettermaterial zum Einstieg transportieren?

D: Theoretisch schon, aber das geht genau gegen Daniels und meine Einstellung. Wir werden jeden unserer 250kg an Material selbst hinein und wieder hinaus tragen. Grundsätzlich wollen sowohl wir,  als auch das Doku-Team so wenig Spuren wie möglich in dieser einzigartigen Landschaft hinterlassen. 

G: Dann wünsche ich dir viel Erfolg und freue mich auf ein Wiedersehen im Ötztal.

D: Danke, ciao.